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Warum Bluffen so schwierig ist

August 24, 2022
von Raise Your Edge

Gute Situationen für einen Bluff zu finden, ist eine der schwierigsten Aufgaben in Cashgames. Gutes Bluffen basiert auf einer Kombination von zwei Faktoren: Zum einen braucht es ein gutes Verständnis des theoretischen Ansatzes, zum anderen ein Anpassen an die Tendenzen deiner Gegenspieler.

Es gibt oft einen himmelweiten Unterschied zwischen dem richtigen Vorgehen in der Theorie und dem in der Praxis. Wir gehen im Folgenden also zuerst auf die Theorie ein und erläutern dann einige Methoden, wie du diese im Spiel umsetzen kannst.

Warum Bluffen so schwer ist

Gutes Bluffen ist deshalb eine so schwierige Angelegenheit, weil es so einfach ist, dabei äußerst kostspielige Fehler zu machen.

Um einen guten Bluff hinzubekommen, musst du über den theoretischen Aspekt Bescheid wissen und gleichzeitig eine gewisse praktische Spielerfahrung haben. Versuche, beim Spielen ein Gefühl für das Vorgehen der anderen Spieler zu bekommen. Geben sie in bestimmten Situationen eher auf? Machen sie auf dem River ständig Calls? Dies wird dir deine Entscheidungsfindung sehr erleichtern.

Zum Beispiel sollten wir nur selten gegen eine Calling Station bluffen. Gegen einen schwachen Spieler mit passiver Spielweise hingegen ist ein Bluff vielleicht oftmals der richtige Zug.

Zu guter Letzt braucht es auch Mut für einen Bluff. Wann immer du ein gutes Bluff-Blatt hast, brauchst du auch den Mut, „den Abzug zu drücken“, wenn du meinst, dass es sinnvoll ist. Hol dir am besten nach deiner Session von Freunden und/oder Coaches ein Feedback. Aber erst einmal musst du den Bluff durchziehen, wenn dies deiner Meinung nach der richtige Zug ist.

Wann gilt es, zu bluffen, und wann ist Aufgeben angesagt

Schauen wir uns nun einmal zwei Beispielszenarien an, in denen Bluffen in Frage kommt: einen guten Bluff und einen schlechten.

Beispiel 1: Q J auf dem Board 10 9 2 3 3.

Wir machen mit unserem Startblatt Q J einen Raise vom Button und der Spieler im Big Blind macht einen Call. Wir setzen jeweils auf dem Flop und Turn eine Bet, die unser Gegner beide Male callt. Es kommt zum River und wir haben überhaupt nichts getroffen.

Der Flop war großartig für uns, denn er brachte uns einen Straight Flush Draw mit einer Menge Outs. Also setzten wir auf dem Flop und fuhren auch auf dem Turn fort, nachdem wir nichts getroffen hatten. Der River hat uns nichts gebracht. Sollen wir nun aggressiv vorgehen und dennoch bluffen?

Die Antwort in der Theorie lautet nein.

Mit unserem verpassten Straight Flush Draw blocken wir eine Menge Blätter unseres Gegners, die für uns günstig wären. Wenn unser Gegner einen Flush Draw oder einen Straight Draw hat, den er nicht getroffen hat, würde er auf dem River sehr wahrscheinlich folden, was das von uns gewünschte Ergebnis wäre. Deshalb wollen wir diese Blätter nicht dadurch blocken, dass wir diese Karten selbst auf der Hand haben. Es wäre besser, wenn wir stattdessen beispielsweise 7-8 hätten, womit wir weder Flush Draws noch Nut Straight Draws blocken, die jeweils eine Dame oder einen Buben enthalten würden.

Beispiel 2: A J auf dem Board Q 7 2 10 9.

Wir machen auf dem Button einen Raise mit A J, den der Spieler im Big Blind callt. Unsere Bet auf dem Flop wird von einem Call unseres Gegners erwidert, der Turn läuft genauso ab, und wir kommen mit nichts weiter als As hoch auf dem River an.

Nach unserer Bet auf dem Turn mit einem Gutshot Draw haben wir nichts getroffen und stehen nun vor der Entscheidung, ob wir bluffen wollen. Sollten wir drauf los feuern?

In der Theorie ja.

Auf die gleiche Weise, wie wir im letzten Beispiel die Blätter des Spielers im Big Blind blockten, mit denen er wohl folden würde, blocken wir in dieser Hand keine dieser Blätter. Darüber hinaus blocken wir solche Blätter wie König-Bube (K-J), mit denen er eventuell bis zum River fortgefahren wäre. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass wir ein Blatt wie König-Bube (K-J) haben, womit wir auf dem Flop und Turn gesetzt haben. Und wir können auch Blätter haben wie Dame-Dame (Q-Q), Zehn-Zehn (T-T) und 9-9, während dies für den Spieler im Big Blind unwahrscheinlicher ist. Dies ist eine großartige Situation für einen Bluff: Wir blocken mit unseren Karten keine verpassten Draws, aber dafür seine möglichen Value-Blätter.

Theorie und Praxis:

Die oben beschriebene Theorie ist hilfreich bei der Auswahl von Blättern für einen Bluff. Doch nur weil deine Karten sich theoretisch gut für einen Bluff eignen, heißt das nicht, dass du einfach drauf los feuern solltest.

Insbesondere in Low-Stakes-Cashgames folden die Spieler einfach nicht genug auf dem River. Auf dem River bei einem großen Pot solltest du im Allgemeinen weniger bluffen, wenn dein Gegenspieler starke Blätter haben kann. Versuche auf diesen Stake-Levels nicht, jemanden mit einem Bluff dazu zu bringen, sein Top Pair niederzulegen. Nutze stattdessen das Spiel deiner Gegner aus, indem du die kleineren Pots stiehlst, während du in den größeren Pots Vorsicht walten lässt.

Wenn bei einem kleinen Pot sowohl auf dem Flop als auch auf dem Turn beide checken, wird dein Gegner sehr wahrscheinlich kein starkes Blatt halten und nicht besonders an der Hand interessiert sein. Mach dir dies zum Vorteil, indem du regelmäßig mithilfe von Bluffs die kleinen Pots stiehlst, doch vermeide große Hero-Bluffs bei größeren Pots.

Wenn du mehr darüber lernen willst, wie du dir die Spielweise deiner Gegner zunutze machen kannst, wirf doch einmal einen Blick in diesen Artikel: 3 Methoden, wie du leicht das Spiel von Freizeitspielern ausnutzen kannst!

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